Reisebericht Türkei-Reise 11. - 14.01.2000
 
 
 

Ziel:
  1. Bestandsaufnahme der bisher geleisteten Hilfen, die von uns finanziert wurden und von den Maltesern realisiert wurden.
  2. Finden eines Projektes für die Weihnachtsaktion der NRZ, das in den Gesamt-verbund der Hilfen der Caritasfamilie vor Ort paßt.
  3. Verschaffung eines allgemeinen Überblickes über das Ausmaß der Schäden und die bisherigen Maßnahmen.


Teilnehmer:

Mathias Mahrun, NRZ-Reporter
Friedhelm Zingler, NRZ-Foto-Reporter
Paul Neumann, MHD-Ehrenamtlicher
Martin Eissing, DiCV Essen (Logistik)
Rudi Löffelsend, DiCV Essen


Zeitplan:

Dienstag, 11.01.2000
9.30 Flughafen Düsseldorf
12.00 Abflug Turkish Airlines
16.00 (Ortszeit) Landung Istanbul
18.00 Einchecken Hotel
20.00 Abendessen mit türkischen Freunden

Mittwoch, 12.01.2000
8.00 Uhr Abfahrt mit Kleinbus und Dolmetscher Richtung Krisengebiet
11.00 Eintreffen in Dücze, Kontakt mit Caritas-Vertretern, Besichtigungen
14.00 Eintreffen in Kaynasli, Besichtgung weiterer Lager und anderer Hilfsmaßnahmen
17.00 wg. Dunkelheit Abbruch der Besichtigung, Fahrt zum Hotel, Einchecken, Kontakt mit anderen NGOs

Donnerstag, 13.01.2000
8.00 Weiterfahrt nach Kaynasli, ausführliche Besichtigung einer Zeltschule
10.30 Dücze, weitere Erkundungen
12.30 Izmit, ausführliche Besichtigung eines von den Maltesern aufgebauten Lagers
15.00 Rückfahrt nach Istanbul
18.00 Termin wg. Projektes mit türkischem Vertreter von Inter-Church-Aid (NL)
20.30 Abschlußtreffen mit türkischen Freunden

Freitag, 14.01.2000
7.00 Flughafen Istanbul
9.00 Abflug
11.00 (Ortszeit) Landung Düsseldorf, Abholung durch Peter Dickscheid, MHD


Zu den einzelnen Punkten:

1. Allgemeiner Eindruck

(siehe dazu beigefügte Reportage der NRZ vom 15.1.2000, S. 3) NACHLIEFERN

1.1. Stand

5 Monate nach dem ersten Beben und 2 Monate nach dem 2. Beben ist das Ausmaß immer noch erschreckend. Erschwerend kommt der Winter hinzu.

Dennoch hatte ich einen positiven Eindruck vom Maß der geleisteten Hilfen und vom Selbsthilfewillen der Opfer. Im Gebiet um Izmit sind sehr viele Notsiedlungen entstanden, nach Aussagen des Krisenstabes für rund 30.000 Familien. Alerdings werden im Moment nur die genutzt, die in der Nähe der bisherigen Wohnorte liegen.

Überall sind Behelfsunterkünfte direkt an den bisherigen Wohnungen gebaut, abenteuerlich aus allen verfügbaren Materialien. Im neuen Erdbebengebiet sind sehr viele kleinere Zeltlager entstanden, mit beheizbaren Zelten, die oftmals in Eigeniniative vergrössert wurden. Zum Teil noch auf dem Trümmern, die eifrig weggeräumt werden, entstehen kleine Geschäfte aus Holz, Containern, Blech etc.. Normalisierung, Wiederherstellung eines wieder funktionierenden Gemeinwesens und Existenzsicherung sind deutlich erkennbares Bestreben.

Sehr positiv fallen die „Zeltschulen“ auf ,die vom DCV mit Diakonie und Arbeiterwohlfahrt finanziert wurden und voll in Betrieb sind. Eine hervorragende Idee!

1.2. Infrasruktur

Die meisten Straßen, auch die Autobahn nach Ankara, sind weitgehend wieder befahrbar. Strom funktioniert fast überall, auch in den Zeltlagern,

Versorgung mit Gasöfen und Gas klappt überall gut, die Wasserversorgung auch weitgehend. Die Schulen arbeiten überall in Zelten, Fabrikhallen etc. Schulbusverkehr von den Lagern usw. weitgehend-

Umfangreiche Aufräumarbeiten in den Städten, Quirliges Leben zum Teil in Trümmern, beheldmäßiges Unterbringen von Behörden usw. Das Finanzamt arbeitet in Dücze in Polizeibussen im Stadtzentzrum, Banken und Post in Containern und das nach nur zwei Monaten.

1.3. Selbsthilfekräfte, Eigeniniative

Selten bin ich bislang nach einer Katastrophe soviel Eingeniniative begegnet, wie in diesem zerst

2. Überblick über die bisherigen, von uns finanzierten Hilfen

Der DiCV Essen hat rund 400.000 Dm an den MHD Essen überwiesen. Davon wurden rund 600 Familienzelte, Schlafsäcke, Zeltheizungen und Großzelte angeschafft. Der MHD hat diese Materialien in Deutschland beschafft und kostenlos mit türkischen Fluggesellschaften nach Istanbul gebracht. Wegen der Eile der Hilfen haben wir dies akzeptiert. Ein Großteil der Lager ist aufgelöst, da die Menschen in festen Unterkünften untergebracht wurden, ein Teil ist bei einem schweren Unwetter zerstört worden. Einige Lager bestehen noch. Die Großzelte, besonders im Raum Dücze, sind in die provisorische Infrastruktur in den Orten einbezogen und dienen verschiedenen Zwecken. Von daher ist festzustellen, daß die gegebenen Gelder sinnvoll und zweckmäßig eingesetzt wurden (siehe auch Izmit).

3. Lager in Izmit

Beispielhaft schauten wir uns ein Lager in einem Vorort von Izmit an, das die Malteser im Oktober errichtet haben. Rund 90 Familien-Camping-Zelte mit ca.

400 Menschen leben dort, in unmittelbarer Nähe ihrer ehemaligen Wohnungen. Ein Großteil wohnte in relativ neuen Hochhäusern, die schwere Schäden aufweisen. Das Lager macht einen sehr ordentlichen Eindruck, es gibt einen Sprecherrat und einen gewählten Lagerchef aus den Reihen der Flüchtlinge. In Eigeniniative haben sie sich ein Gemeinschaftszelt und Waschzelte eingerichtet. Alle Zelte haben Strom, Gas-Öfen, sind wohnlich eingerichtet. Die Menschen wollen hier wohnen, bis die Häuser neu aufgebaut sind. Entgegen ersten Befüchtungen haben die Camping-Zelte ein Unwetter gut überstanden, sind gut heizbar und machen einen wohnlichen Eindruck.

4. Ausstattung der Holzhaus-Siedlung in Dücze - Projekt der NRZ/Caritas Essen -

Ganz in der Nähe des Zentrums von Dücze sind rund 350 Not-Wohnungen entstanden, 22 Qudratmeter jeweils, WC, Dusche, Wasseranschluß, Strom, vier Wohnungen bilden ein Haus. Holzhäuser, quadratisch, praktisch, gut isoliert.

Träger war die Caritasfamilie und Inter Church Aid. Die Caritas-Helfer in Ducze zeigen uns stolz diese Siedlung. Hier soll das noch vorhandene Geld aus der Weihnachtsaktion der NRZ verwendet werden. Bei einem Gespräch in Istanbul mit dem Repräsentanten von ICA, Osman Kavala, wurde vereinbart, daß wir für rund 1400 Betten die Finanzierung übernehmen. Kleine Schreinereien in der Umgebung sollen diese Betten bauen. Wir werden ein kleines Protokoll über unsere Vereinbarung formulieren, an H. Kavala schicken zur Gegenzeichnung. Das Geld, ca. 90.000.- DM, werden wir über die Caritas Türkei transferieren. Mit dem Koordinator der Caritas Türkei haben wir dies telefonisch vereinbart. Wir haben uns leider vor Ort in Ducze verpasst.

5. Schulzelt-Programm von Caritas, Diakonie und AWO

Immer wieder trafen wir auf große, halbrunde stabile Zelte, die zur Zeit als Klassenräume dienen. Da fast alle Schulen für geschlossen erklärt sind und die Kinder Angst haben, in mehrstöckige Häuser zu gehen, dienen sie als Ersatz. Große Schilder erklären die Sponsoren. In Kaynasli steht eine ganze Schule mit über 10 Zelten dicht beieinander, mit geordnetem Betrieb und großer Disziplin. Zum Teil werden die Kinder mit Bussen transportiert. Die Schulmöbel stammen aus den bisherigen Schulen. Oftmals fehlt Schulmaterial. Hier wollen wir mit dem Einkauf vor Ort helfen. Einschätzung der Schulzelte-Aktion: Eine sehr gute Idee, gut umgesetzt, und äußerst sinnvoll.