Presse-Info 033 / 2002 - Essen, 08.03.2002
"Halbmond über deutschen Dächern" Muslime in katholischen Kindergärten - Weihbischof Vorrath: "Dialog setzt Wissen voraus - das bewahrt vor Naivität"
Mülheim/Ruhr - Ruhrbistum (cde) - "Dialog setzt neben guten Willen auch ein gutes Maß an Wissen voraus. Dazu gehört auch die Kenntnis über den Glauben, die religiöse Praxis und Tradition des Dialogpartners." Der Bischofsvikar die Caritas, Weihbischof Franz Vorrath brachte so das Anliegen des Themenabends "Halbmond über deutschen Dächern, Muslime in katholischen Kindergärten auf den Punkt. Rund 70 Kindergartenleiterinnen und Caritas-Fachleute hatten sich am Abend des 7.März in der katholischen Akademie "die Wolfsburg" in Mülheim/Ruhr getroffen.
Vorrath verdeutlichte in seiner Einführung, dass die Frage, ob muslimische Kinder überhaupt in katholische kindergärten aufgenommen werden können, mit einem Verweis auf die über zwanzigjährige Praxis und dem diakonischen Auftrag, den katholische Kindergärten haben. "Kirche ist immer Kirche für andere", meinte der "Caritasbischof". Er bezeichnete Kindergärten "als wichtige Hilfe bei der Integration".
Im ersten Teil des Abends referierte Melanie Miehl, Islamwissenschaftlerin aus Köln über die Grundaussagen des Koran, die verschiedenen Richtungen im Islam, über die Organisationsformen und die Formen der Religionsausübung.
"Der Islam in Deutschland spiegelt alle Strömungen wider, die es auf der Welt gibt", klärte sie den aufmerksamen Hörerkreis auf. Pater Thomas Lüke, Pfarrer in Duisburg-Bruckhausen, einem Ortsteil mit einem Anteil von 65 Prozent moslemischen Migranten, berichtete sehr anschaulich über den Alltag im katholischen Kindergarten seiner Pfarrgemeinde. Der Anteil türkischer Kinder beträgt dort 40 - 60 Prozent.
Viele türkische Eltern würden ihre Kinder bewusst in einen katholischen Kindergarten geben, "weil da Werte vermittelt werden". Dies geht, da es noch drei kommunale kindergärten in diesem Ortteil vorhanden seien und somit die Wahlmöglichkeit vorhanden sei.
Viele türkische Familien hätten einen einfachen Bildungsstand, dies sei aber auch bei einem Grossteil der deutschen Ortsteilbewohner so, meinte Lüke. Er stellte die Frage, "Ist bei einem solchen Niveau Integration überhaupt möglich?".
Sorgen machten dem Pfarrer von Bruckhausen auch die Tatsache, dass viele Türken zur Zeit eine "Re-Identifizierung" durchlebten, was ihre Rolle und Sprache angeht. So lebten viele Eltern in zwei Welten, was sich auf die Kinder massiv auswirke.
Viele Einzelfragen wurden im Gespräch an diesem Abend noch geklärt, vom Kopftuch bis zu den Regelungen während der islamischen Fastenzeit.
"Halbmond über deutschen Dächern" Muslime in katholischen Kindergärten - Weihbischof Vorrath: "Dialog setzt Wissen voraus - das bewahrt vor Naivität"
Mülheim/Ruhr - Ruhrbistum (cde) - "Dialog setzt neben guten Willen auch ein gutes Maß an Wissen voraus. Dazu gehört auch die Kenntnis über den Glauben, die religiöse Praxis und Tradition des Dialogpartners." Der Bischofsvikar die Caritas, Weihbischof Franz Vorrath brachte so das Anliegen des Themenabends "Halbmond über deutschen Dächern, Muslime in katholischen Kindergärten auf den Punkt. Rund 70 Kindergartenleiterinnen und Caritas-Fachleute hatten sich am Abend des 7.März in der katholischen Akademie "die Wolfsburg" in Mülheim/Ruhr getroffen.
Vorrath verdeutlichte in seiner Einführung, dass die Frage, ob muslimische Kinder überhaupt in katholische kindergärten aufgenommen werden können, mit einem Verweis auf die über zwanzigjährige Praxis und dem diakonischen Auftrag, den katholische Kindergärten haben. "Kirche ist immer Kirche für andere", meinte der "Caritasbischof". Er bezeichnete Kindergärten "als wichtige Hilfe bei der Integration".
Im ersten Teil des Abends referierte Melanie Miehl, Islamwissenschaftlerin aus Köln über die Grundaussagen des Koran, die verschiedenen Richtungen im Islam, über die Organisationsformen und die Formen der Religionsausübung.
"Der Islam in Deutschland spiegelt alle Strömungen wider, die es auf der Welt gibt", klärte sie den aufmerksamen Hörerkreis auf. Pater Thomas Lüke, Pfarrer in Duisburg-Bruckhausen, einem Ortsteil mit einem Anteil von 65 Prozent moslemischen Migranten, berichtete sehr anschaulich über den Alltag im katholischen Kindergarten seiner Pfarrgemeinde. Der Anteil türkischer Kinder beträgt dort 40 - 60 Prozent.
Viele türkische Eltern würden ihre Kinder bewusst in einen katholischen Kindergarten geben, "weil da Werte vermittelt werden". Dies geht, da es noch drei kommunale kindergärten in diesem Ortteil vorhanden seien und somit die Wahlmöglichkeit vorhanden sei.
Viele türkische Familien hätten einen einfachen Bildungsstand, dies sei aber auch bei einem Grossteil der deutschen Ortsteilbewohner so, meinte Lüke. Er stellte die Frage, "Ist bei einem solchen Niveau Integration überhaupt möglich?".
Sorgen machten dem Pfarrer von Bruckhausen auch die Tatsache, dass viele Türken zur Zeit eine "Re-Identifizierung" durchlebten, was ihre Rolle und Sprache angeht. So lebten viele Eltern in zwei Welten, was sich auf die Kinder massiv auswirke.
Viele Einzelfragen wurden im Gespräch an diesem Abend noch geklärt, vom Kopftuch bis zu den Regelungen während der islamischen Fastenzeit.