Presse-Info 054 / 2002 - Essen, 15. April 2002

Caritas-Bischof Franz Vorrath nach einwöchiger Balkanreise: "Auch zehn Jahre nach Kriegsbeginn ist weitere Hilfe in Bosnien notwendig"

Essen (cde)
- "In Rumänien haben wir ein Fundament geschaffen, das große Eigenverantwortung der einheimischen Partner möglich macht, in Bosnien muss die Hilfe weitergehen und sogar verstärkt werden", sagte der Essener Caritasbischof Franz Vorrath nach Rückkehr von einer einwöchigen Informationsreise durch Rumänien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, auf der er von Journalisten begleitet wurde.

Vorrath, der auch Vorsitzender der Caritas im Ruhrbistum ist, zog eine positive Bilanz der Auslandsaktivitäten der Essener Bistumscaritas. "In Rumänien sind wir inzwischen so weit, dass wir hier als Bistumscaritas den Aktivitäten beratend zur Seite stehen. Dies gilt besonders für ein großes Landwirtschafts- und Handwerkszentrum in Ciacova. Zudem gibt es eine Reihe von Initiativen, die sich sehr gezielt auf die Rumänienhilfe im westlichen Teil des Landes spezialisiert haben", so Vorrath. So startet am Montag, 15. April 2002, ein großer Hilfskonvoi nach Ciacova. Dieser Transport wird von der Rumänienhilfe der St. Clemens Hospitale in Oberhausen-Sterkrade initiiert.

"Die begonnenen Hilfen in Bosnien werden fortgesetzt und sind heute mehr denn je notwendig. Die meisten großen Hilfsorganisationen sind nicht mehr vertreten und haben sich anderen Krisengebieten zugewandt. Nicht so die Caritas Essen, wir wollen weitermachen und bleiben", so der Essener Caritasbischof.

Die Caritas im Ruhrbistum betreibt in der Region Banja Luka zusammen mit der AGEF (Arbeitsgruppe Entwicklung und Fachkräfte, Berlin) ein Programm, bei dem junge Rückkehrer aus Deutschland und ansässige Jugendliche beruflich qualifiziert werden. Insgesamt 354 Jugendliche bekamen Grundkenntnisse in den Berufen: Büroorganisation und -kommunikation, Marketing, Bauwesen, Landwirtschaft/Gartenbau und anderen Berufen.

"Neben den beruflichen Chancen, die dieses Projekt für die Jugendlichen bewirkt, ist vor allem eines wichtig, nämlich dass sie das Gefühl haben, dass endlich etwas für sie getan wird. Viele der Jugendlichen waren in den vergangenen Jahren vollkommen auf das Elternhaus angewiesen und zur Passivität verurteilt", so Dr. Hans-Jürgen Möller, Caritas-AGEF-"Chef" in Banja-Luka. Dieses Projekt wird finanziert aus Mitteln des Stabilitätspaktes. Hinzu kommen Aktivitäten der Wirtschaftsförderung, wie Existenzgründungsdarlehen und Investitionsförderungen.

In der Nähe von Banja Luka liegt das ehemalige Kloster Aleksandrovac, getragen von einem kroatischen Frauenorden. Hier leben heute 36 drogenabhängige junge Männer. Völlig freiwillig unterziehen sich die Jungen, die alle harte Drogenkarrieren hinter sich haben, einem sogenannten "trockenen Entzug". Die Erfolge dieser Therapie, die auch an anderen Orten im ehemaligen Jugoslawien praktiziert wird, sind beachtlich. In einem streng geregelten Tagesplan leben die jungen Männer hier nach festen Regeln, aber weitestgehend selbstbestimmt. Das Gebäude wurde mit Hilfe der Essener Caritas, sowie von Renovabis gründlich renoviert.

Im südserbischen Nis besuchte Weihbischof Franz Vorrath die dortige Caritas, mit der die Caritas im Ruhrbistum in der Vergangenheit mehrere kleine Projekte realisiert hat. "Größere Projekte, die wir gerne gemacht hätten, und die auch notwendig sind, waren für uns bis heute nicht möglich. Dies lag unter anderem an schwierigen Zollformalitäten und an der Schwierigkeit, europäische und andere Gelder zu kommen", so Rudi Löffelsend, Referent für Auslandshilfe bei der Caritas im Ruhrbistum. "Aber wir werden uns weiter darum bemühen."

Wie positiv das Verhältnis von römisch-katholischer und orthodoxer Kirche in der Region ist wurde bei einem Gespräch zwischen Weihbischof Vorrath, Antun Pecar, dem Pfarrer und Caritasdirektor der Gemeinde Nis, und dem orthodoxen Bischof Irinei deutlich.

In der Nähe von Capljina in der Herzegowina siedelte die Caritas Mostar, mit Hilfe der Caritas im Ruhrbistum, Flüchtlinge aus Ostbosnien an. Diese Menschen waren aus ihren Heimatorten geflohen oder vertrieben worden und völlig entwurzelt. In der Region existierten bereits mehrere Flüchtlingslager, die Gemeinde war überfordert, die Menschen zu versorgen.

Zunächst bekamen 25 Familien ein Grundstück von jeweils 1500 qm auf dem Areal zugewiesen. Auf diesen Parzellen durften die Familien bauen und Gärten anlegen. Die Caritas Mostar half bei der Koordination vor Ort und stellte einen Architekten ein. Der Aufbau der Häuser wurde von Fachleuten begleitet, die Arbeiten wurden aber, soweit wie möglich, von den Familien selbst und in Nachbarschaftshilfe geleistet. Mehrere Sachspenden von Firmen aus dem Ruhrbistum, der Landesregierung NRW und der Caritas für das Bistum Aachen halfen das Projekt zu beschleunigen. So wurde mit Hilfe der Caritas Essen und ihrer Partner aus dem Ruhrbistum der Grundstein für eine große Siedlung gelegt, nach dessen Vorbild in der Region um Mostar heute rund 2000 Häuser stehen.